Eddy Maniez: Tierplastiken neu erfunden durch Silikon
- Romain Class
- 9. Apr.
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1969 in Grasse geboren, gehört Eddy Maniez jener Generation autodidaktischer Künstler an, die es geschafft haben, eine einzigartige bildnerische Sprache zu entwickeln, fernab akademischer Konventionen. Nach vielen Jahren als Förster im Süden Frankreichs entwickelte er eine enge Verbindung zur Natur und zur Tierwelt – eine tiefgreifende Inspirationsquelle für seine Arbeit.
Sein künstlerisches Universum ist von vertrauten Kreaturen bevölkert – Schildkröten, Gorillas, Krokodile, Oktopusse, Bären, Fische –, die er mit einer beispiellosen Technik in wahre zeitgenössische Ikonen verwandelt: die vollständige Bedeckung des Tierkörpers mit Tausenden von Silikonstacheln, sorgfältig von Hand, Stück für Stück, aufgetragen.

Eine hybride Technik zwischen Instinkt und Geduld
Eddy Maniez’ Methode ist sowohl handwerklich als auch meditativ. Jede Skulptur beginnt mit einer realistischen Form aus Harz, gegossen und bemalt, die er geduldig mit Silikonstacheln bedeckt, die er einzeln, frei von der Hand, mit einer Pistole aufträgt. Keine Vorzeichnungen, keine Maschinen — die Bewegung ist frei, instinktiv und wird tausendfach wiederholt. Der Künstler spricht von einem „organischen Rhythmus“, ähnlich dem Atem. Diese akribische Arbeit kann mehrere Wochen, bei monumentalen Werken sogar mehrere Monate dauern.
Aus der Ferne wirken die Skulpturen stachelig, fast gefährlich; aus der Nähe offenbaren sie eine überraschende Weichheit — eine flexible, lebendige Textur. Silikon, ein industrielles und künstliches Material, wird unter seinen Händen zu einer lebendigen, sinnlichen, leuchtenden Haut. Dies ist das eigentliche Paradoxon von Maniez’ Arbeit: das Künstliche in das Organische, die Artifizialität in Leben zu verwandeln. Um seine Augen zu schonen, muss er alle 10 bis 15 Minuten Pausen einlegen, da sonst seine Sicht verschwimmt. Er arbeitet außerdem gleichzeitig an mehreren Werken, um die Formen und Größen der Silikonstacheln zu variieren.

Das Bestiarium als Spiegel der Menschheit
Eddy Maniez ist kein Tierbildhauer im traditionellen Sinne. Seine Kreaturen, obwohl erkennbar, sind ebenso sehr Symbole wie Darstellungen. Der Gorilla beispielsweise taucht häufig in seinen Werken auf – massiv, kraftvoll, aber in einer nachdenklichen Haltung eingefroren. Er verkörpert zurückhaltende Stärke, die Nähe zwischen Mensch und Tier und manchmal die Verletzlichkeit der Natur angesichts der modernen Menschheit.
Der Fisch oder die Schildkröte hingegen werden zu Figuren der Widerstandskraft und Fluidität – Archetypen von Langsamkeit und Beharrlichkeit. In jedem Tier projiziert Maniez eine vitale Energie, eine Art Seele, ausgedrückt durch die Wiederholung der Gesten und die Vibration des Materials.

In diesem Sinne gehen seine Skulpturen über das Dekorative hinaus: Sie hinterfragen den Platz lebender Wesen in unseren industrialisierten Gesellschaften, in denen die Natur knapp geworden ist — manchmal domestiziert, oft künstlich rekonstruiert.
Zwischen Kunst und Design: Die Versuchung der Schönheit
Was den Betrachter an Maniez’ Arbeiten sofort fasziniert, ist ihre visuelle Anziehungskraft. Die Silikonstacheln erzeugen wechselnde Lichtreflexe, die der Künstler zusätzlich mit Swarovski-Kristallen akzentuiert, die das Licht einfangen und die Skulptur in ein schimmerndes, beinahe kostbares Objekt verwandeln.
Dieser Dialog zwischen Kitsch und Raffinesse, zwischen Natürlichkeit und Luxus, verleiht seinen Werken eine poppige und hypnotische Dimension. Man erkennt Elemente des Pointillismus, des repetitiven Minimalismus, aber auch Ästhetik zeitgenössischen Designs.
Seine Skulpturen, oft monumental, treten sowohl in städtische Räume als auch in Galerien in Dialog: Sie behaupten ihre Präsenz und laden gleichzeitig zur taktilen und sinnlichen Betrachtung ein.
Ein sinnliches und spirituelles Werk
Hinter der technischen Virtuosität verbirgt sich ein fast spiritueller Ansatz. Der Künstler betrachtet seine Kreationen als meditative Formen — Objekte der Konzentration und Energie. Jeder Stachel wird zu einer Zelle, einem Lebensfragment. Zusammen bilden sie einen kohärenten Organismus, irgendwo zwischen Skulptur und Installation.
Dieser repetitive Prozess, der einem Mantra ähnelt, verleiht seinen Arbeiten eine quasi-rituellen Dimension. Eddy Maniez sagt manchmal, er „lässt das Material atmen“. Und genau das nimmt der Betrachter wahr: einen langsamen Puls, eine visuelle Vibration, ein Gefühl von Gleichgewicht zwischen Chaos und Harmonie.

Wachsende Anerkennung
Heute werden die Skulpturen von Eddy Maniez in internationalen Galerien wie der Eden Galerie und Class Art Biarritz ausgestellt und sind Teil zahlreicher privater Sammlungen in Europa, den USA, dem Nahen Osten und Asien. Einige monumentale Werke, wie sein drei Meter hoher schwarzer Gorilla, erfordern Hunderte von Silikonkartuschen und Tausende von Kristallen, was die kontrollierte Größe und Präzision seiner Arbeit veranschaulicht.
Seine Kreationen, an der Schnittstelle von Kunst, Handwerk und Design, finden gleichermaßen in zeitgenössischen Innenräumen wie in öffentlichen Räumen ihren Platz und verkörpern eine Form von Kunst, die zugänglich, unmittelbar, verspielt und zugleich kontemplativ ist. Seine Skulpturen können auch im Freien präsentiert werden — an Pools, auf Terrassen oder in Gärten. Sie sind UV-geschützt und lassen sich einfach mit einem Wasserstrahl reinigen.

Die Sanftheit der Wildnis
Indem er die Tierwelt mit Silikon überzieht, verfolgt Eddy Maniez nicht das Ziel, sie zu zähmen, sondern sie wieder zu verzaubern. Unter der synthetischen Oberfläche entfaltet sich die Lebenskraft, und die stille Energie der natürlichen Formen wird sichtbar. Seine stachelbedeckten Tiere sind weder bedrohlich noch domestiziert: Sie existieren in einem Schwebezustand, zwischen Realität und Kunstgriff, zwischen Verletzlichkeit und Kraft.
In einer von Bildern überfluteten Welt erinnert uns Maniez daran, dass Schönheit aus einer langsamen Geste, aus wiederholten Details und aus geduldigem Handwerk entstehen kann. Seine Skulpturen, zugleich weich und stachelig, sind Manifeste der Zuneigung zur Natur — aber auch Spiegel unserer Zeit, in der Kunst und Material danach streben, eine gemeinsame Bedeutung zurückzugewinnen: die des Lebens.




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